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Ausgabe 04.06.2006
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Mobil am Rand der Legalität
Beim Festival «Rock im Park“ ist dieses Jahr alles gefragt, was rollt
  
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NÜRNBERG — Die Erfindung des Rades war von großer Bedeutung für das Fortkommen der Menschheit. Wer je daran gezweifelt haben sollte, wurde bei Rock im Park schnell eines Besseren belehrt.

Denn bei diesem Festival der - in diesem Jahr gezwungenermaßen - weiten Wege (siehe dazu auch den Kommentar auf Seite 11) lernte man schnell alles zu schätzen, was in irgendeiner Weise rollfähig war — sei es, um sich selbst schneller von A nach B zu bewegen oder um eine Vielzahl von Dingen über ungewohnt weite Distanzen zu transportieren.

Vor allem jene, die während der drei Tage auf dem Gelände übernachten, haben einige Dutzend Kilo Material dabei. So wie Paul (Name geändert) und seine Clique, die aus Ingolstadt angereist sind und für sich ein Plätzchen am Rande des Campingplatzes reserviert haben. Um Iso-Matten und Mini-Bierfässer, Fertiggerichte und Einweg-Geschirr nicht einen knappen Kilometer vom Parkplatz bis zur Campingfläche schleppen zu müssen, haben sie kurzerhand in einem der umliegenden Supermärkte einen Einkaufswagen «requiriert“ — «nicht legal, aber um so praktischer“, wie Paul mit breitem Grinsen und oberbayerischem Zungenschlag feststellt. Das bedrohliche Quietschen der vom Gewicht restlos überforderten Räder des Wagens lässt darauf schließen, dass er seinen angestammten Supermarkt wohl nicht mehr sehen wird, sondern auf einer der Müllhalden endet, die das große Festival hinterlässt.

Wenn dann alles unter Dach und Fach ist, bleibt das Problem, zügig von einer Bühne zur nächsten zu kommen — für Fans genauso wie für die «Offiziellen“ des Organisationsteams und die zahlreichen Vertreter der Medien.

Gut, dass die Polizei im Fall von «Rock im Park“ im Zweifelsfalle beide Augen zudrückt. Wie bei den beiden Mädchen, die per Fahrrad auf dem Bürgersteig in Richtung Alternastage unterwegs sind. Die eine tritt kräftig in die Pedale, die andere steht der besseren Übersicht halber auf dem Gepäckträger, klammert sich an den Schultern ihrer Freundin fest, um nicht herunterzu fallen und feuert sie an: «Fahr schneller, das Konzert geht gleich los.“

Was in normalen Zeiten mindestens ein für Schüler-Geldbörsen empfindliches Bußgeld kosten würde, ringt dem Trupp Bereitschaftspolizisten, der an der Straße zur Ehrenhalle stationiert ist, nur ein mildes Lächeln ab. Das allerdings könnte auch mit der sommerlich spärlichen Bekleidung der jungen Damen zu tun haben.

Corinna Weth, Presse-Betreuerin beim Veranstaltungsteam, gibt sich erheblich braver und schiebt ihr Rad. Schon deshalb, dass der keuchende, an seiner Ausrüstung schwer schleppende Fotograf nicht alleine bis zur nächsten Bühne rennen muss.

Ein paar Privilegierte gibt es hier auch — und bei denen halten sich sogar die neidischen Blicke in Grenzen. Es steht außer Frage, dass Notarzt- und Sanitätsautos genau wie Polizeistreifen notfalls auch durchs Gewühl fahren dürfen. Die Roller fahrende Security ist um ihren harten Job kaum zu beneiden, denn sie muss «überall gleichzeitig“ sein, was auf dem weitläufigen Areal nur mit einem motorisierten Zweirad zu schaffen ist.

Will man viel sehen und hat kein Rad und keine Rollerskates, bleiben dennoch nur die Füße. An denen sich bis zum späten Abend Blasen bilden . . . HvD

www.rock-im-park.de

4.6.2006 0:00 MEZ
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